So entsteht meine Musik

 

Nach über einer Woche Arbeit möchte ich Euch meine kleine Dokumentation über die Entstehung meiner Musik vorstellen. Das Ganze gibt es in Audio, Text und Bild. Es soll Euch einen etwas näheren Einblick in meine Arbeitsweise geben. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben und hoffe alles so detailreich und verständlich wie möglich verfasst zu haben. Vor allem will ich Euch damit einmal einen Einblick geben wie viel Arbeit und Aufwand letztendlich hinter einem Track steckt. Nicht umsonst gibt es bei mir viele 10-Stunden-Tage was das Arbeiten an neuen Ideen betrifft. :-)

 

So entsteht ein Track:

Hier der chronologische Verlauf meines Tracks in Ton-Text und Bildversion:

 

Das hört Ihr an folgenden Stellen in meinem Audiobeispiel:
https://soundcloud.com/…/so-entsteht-ein-trackmaking-of-tra…
Beispiel ab Sekunde 0 bis Sekunde 8 Fertiger Schlagzeugsound
Beispiel ab Sekunde 8 bis Sekunde 37 Verschiedene Grundelemente meines Tracks (einzeln abgespielt)
Beispiel ab Sekunde 37 bis Minute 1:07 Melodie des Intros (ohne weitere hinzugefügte Elemente)
Beispiel ab Minute 1:07 bis Minute 1:17 Bassline beider Spuren jeweils einzeln und zusammengefügt
Beispiel ab Minute 1:17 bis Minute 1:47 Komplettes Intro (mit allen hinzugefügten Elementen)
Beispiel ab Minute 1:47 bis Minute 2:03 Hauptmelodie (ohne weitere hinzugefügte Elemente)
Beispiel ab Minute 2:03 bis Minute 2:19 Leadsound (ohne weitere hinzugefügte Elemente)
Beispiel ab Minute 2:19 bis Minute 2:49 Komplette Hauptmelodie (mit allen hinzugefügten Elementen)
Beispiel ab Minute 2:49 bis Minute 3:19 Veränderte Hauptmelodie im Scratching-Sound (einzeln)
Beispiel ab Minute 3:19 bis Minute 3:24 Trommelwirbel (einzeln abgespielt)
Beispiel ab Minute 3:24 bis Minute 3:54 Veränderte Hauptmelodie (mit allen weiteren Elementen)
Beispiel ab Minute 3:54 bis Minute 4:24 Zerteilte Hauptmelodie (ohne die weiteren Elemente)
Beispiel ab Minute 4:24 bis Minute 4:54 Zerteilte Hauptmelodie (mit allen weiteren Elementen)
Beispiel ab Minute 4:54 bis Minute 4:58 Kurzer Abstoppungseffekt in der Hauptmelodie und Überleitung
Beispiel ab Minute 4:58 bis Minute 5:14 Melodie aus dem Intro auf die Soundspur der Hauptmelodie gelegt
Beispiel ab Minute 5:14 bis Minute 5:44 Fertiger Abschnitt mit den hinzugefügten weiteren Elementen
Beispiel ab Minute 5:44 bis Minute 6:14 auf die ersten beiden Takte begrenzte Hauptmelodie
Beispiel ab Minute 6:14 bis Minute 6:42 Letzter Abschnitt des Tracks komplett gespielt
Den kompletten Track am Stück bekommt ihr ab Minute 6:49 zu hören

Für den ein oder anderen der jetzt nicht so viel mit Musik zu tun hat, erkläre ich kurz im Voraus noch einige in meinem folgenden Text vorkommenden Begriffe:
Bassdrum=Schlagzeug
Bassline=Die Spur auf welcher die Basstöne des Tracks laufen
Handclaps=Klatschen der Hände
Hi-Hat=Teil eines Schlagzeugs
Cymbal= Becken
Reverse= Kehrt den Sound um
Snare-Drum=Kleine Trommel
Shamisen= Ein Zupfinstrument
Pad=Weicher schwebender Klang
Vocal=Stimme/Gesang oder kurze Wörter
Flexatone= Ein Instrument welches einen Ton biegt
Scratchen= Töne erzeugen durch das rhythmische hin und herschieben von Schallplatten.
Hookline= eine charakteristische eingängige Melodiephrase die für den Wiedererkennungswert eines Musikstückes steht.
Lead= Ähnlich wie die Hookline befasst sich die Lead mit der Hauptmelodie
Equalizer= Mit dem Equalizer lassen sich Frequenzen anheben oder absenken und somit bestimmte Sounds im Soundbild hervorheben oder eher in den Hintergrund schieben.
Zuerst füge ich im Projektfenster die voraussichtlich benötigte Anzahl der einzelnen Instrumentenspuren mit den gewünschten VST-Instrumenten ein.

Zur vergrößerten Ansicht einfach auf die Fotos klicken! :)

spur zufügen Kopie

Für jede Spur ordne ich im Anschluss einen bestimmten Sound zu. Dann zeichne ich mit dem Stiftwerkzeug ein Event ein.

ein takt langes eingezeichnetes event Kopie

Zu den verschiedenen Sounds lassen sich nun in den Kanaleinstellungen der Instrumentenspuren weitere Effekte hinzufügen. Des Weiteren lassen sich die jeweiligen Sounds mit einem Equalizer bearbeiten.

equalizer und effekte Kopie

Das gewünschte Tempo des Tracks lässt sich im Transportfeld einstellen.

tempo des tracks

Im Key Editor welcher sich durch das Doppelklicken auf das jeweilig ausgewählte Event öffnen lässt, kann ich nun die gewünschten Noten einfügen um beispielsweise eine Melodie oder einen Schlagzeugsound zu erzeugen.

Key editor leer Kopie
Zu Beginn suche ich mir eine Bass-Drum oder auch Kick-Drum genannt heraus und schneide diese entweder im Key-Editor oder Projektfenster direkt je nach gewünschtem Rhythmus zurecht (das Gleiche gilt für alle weiteren Elemente des Tracks). im Editor lassen sich die Noten ganz einfach verschieben, kopieren oder herauslöschen. Der Schlagzeugsound ist soweit fertig.

bassdrum Kopie
Als nächstes zeichne ich noch einige weitere Grundelemente wie Hi-Hat, Cymbal, Handclaps etc. ein und schiebe diese erst mal im Projektfenster zur Seite, bei jeweiligem Bedarf kann ich jeder Zeit darauf zurückgreifen.

Grundelemente

Nun öffne ich wieder den Key-Editor und erstelle eine Melodie für das Intro. Das Erstellen der Melodien nimmt einen wesentlichen Teil der Arbeitszeit in Anspruch, da ich dabei viel variiere und verändere. Auch einiges an Theorie in Form vom Nachdenken über den nächsten Schritt ist hier von Nöten. Im Allgemeinen mache ich mir sehr viele Gedanken um einen Track herum und sitze auch manchmal auch einige Minuten lang da bis ich zu einer für mich gewünschten Lösung zum nächsten Schritt gelange. Kommt mir manchmal richtig mathematisch und analytisch vor das Ganze obwohl die Mathematik nie zu meinen Stärken gehörte. Aber ein Teil besteht eben wirklich aus der Theorie, nur so gelangt man zu neuen Ideen.

shamisen intro Kopie

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema nämlich dem Intro. Sobald ich mit einer Melodie zufrieden bin, kann ich mir nun weitere Gedanken dazu machen mit welchen der bereits im Projektfenster hinterlegten Sounds ich die Intro-Melodie unterlegen möchte. Jetzt kommen noch ein paar tiefe Töne in Form des Basses hinzu. Das Intro steht nun und sieht wie folgt aus: Bestehend aus einem Pad, einer Bassline und der erstellten Melodie, welche alle drei durch das herausnehmen einiger Noten auf den ersten 8 Takten nur teilweise laufen um für etwas mehr Abwechslung zur sorgen. Ab Takt 9 läuft alles fast durchgehend bis zur Hauptmelodie. Hinzu kommen noch verschiedene Cymbal-Effekte auf Takt 1 und Takt 9 und ein Reverse Cymbal-Effekt auf Takt 1, eine fast durchgehende Snare-Drum und die ab Takt 8 in der letzten Zählzeit einsetzenden Hi-Hat, abgerundet mit einem kleinen Vocal-Effekt in der letzten Zählzeit des 16.Taktes. Das Intro ist somit fertig.

intro komplett

Als nächstes wende ich mich dem Erstellen der Hauptmelodie des Tracks zu. Dies geschieht wieder im Key-Editor. Da ich die Bassline aus dem Intro weiterhin verwenden möchte, passe ich die Melodie in der Tonlage dementsprechend an. Sounds wie Hi-Hat oder Cymbal kann ich sowieso weiterverwenden, da sie die Harmonien nicht beeinträchtigen und auch viele Effekte passen sich meist an. Beginnend ab Takt 17 besteht die Hookline also die Hauptmelodie aus folgenden Elementen: Die Kick-Drum aus dem Intro tausche ich gegen eine etwas druckvollere aus. Wie bereits oben erwähnt, läuft die Bassline aus dem Intro mit der angepassten Synth-Melodie weiter. Auch die Hi-Hat bleibt bestehen. Die Cymbal-Effekte kommen in Takt 17 und 25 ebenfalls wieder zum Einsatz. Neu hinzukommen die Handclaps also das Klatschen von Händen auf der jeweils zweiten und vierten Zählzeit innerhalb eines Taktes. Zurück im Key Editor füge ich weitere Noten für den ab Takt 25 einsetzenden Leadsound ein. Mit ein wenig probieren entsteht nun eine etwas veränderte Melodie welche mit der darüber liegenden harmoniert. Somit ist auch die Hauptmelodie des Tracks vollendet.

hauptmelo Kopie

Falls mir ein Sound im Verlaufe des Arbeitsprozesses doch nicht so zusagt oder einer bestimmten Melodie ein anderer Klang einfach besser stehen würde, kann ich nun einfach die Auswahlliste durchgehen und mir einen neuen Sound raussuchen. Der Vorteil daran ist, dass die entstandene Melodie nicht wieder neu eingezeichnet werden muss, sondern dass sie auch in neuem Soundgewand bestehen bleibt. Anders wäre dies bei einer direkten Audioaufnahme wo sich der Sound im Nachhinein nicht mehr verändern ließe und die Melodie unter anderer Soundauswahl dann wieder neu aufgenommen werden müsste.

Sounds verändern

Ab Takt 33 überlege ich mir etwas Neues was dem Track eine neue Wendung gibt und probiere einige Sounds aus. Ich entscheide mich für einen Scratching-Effekt, welcher die Hauptmelodie abspielt. Die Noten bleiben dabei exakt dieselben, jedoch erkennt man die Melodie nicht mehr unbedingt als solche sondern klingt das Ganze vielmehr wie das Scratchen auf Turntables, ein schöner Effekt der neuen Schwung in den Track hineinbringt. Im Scratching-Abschnitt nehme ich die Handclaps in den ersten sieben Takten heraus und füge in der 4 Zählzeit des 8. Taktes wieder eine Note ein welche die Claps wieder zum Einsatz bringt. Bassdrum (aus dem Intro), Hi-Hat und Bassline lasse ich komplett durchlaufen. Der Cymbal-Effekt also das Becken kommt im Takt 33 wieder zum Einsatz ebenfalls wie der Reverse Cymbal-Effekt auf der dritten Zählzeit im 48. Takt. Neu hinzu kommt ein Flexatone welches einen biegenden Ton erzeugt, dieses lege ich auf die 4. Zählzeit im 48. Takt. Die Snare-Drum öffne ich wieder im Key-Editor und gestalte einen Trommelwirbel welcher sich über Takt 47 und 48 erstreckt. Dies geschieht indem ich die Drum Noten vervielfache und verschieden oft in den beiden Takten anordne. Im 47. Takt lasse ich die Snare-Drum 8 mal hintereinander abspielen im 48. Takt dann 16 Mal. Auch dieser Abschnitt ist somit beendet.

takt 33 Kopie

Nächster Abschnitt: Zum Start auf Takt 49 kommt wieder der Cymbal-Effekt zum Einsatz. Bassdrum läuft weiter, die Bassline welche auf zwei verschiedene Spuren verteilt ist lasse ich weiterlaufen, im Gegensatz zu den vorherigen Abschnitten jedoch durchgehend im selben Ton und einspurig. Die Pad-Spur läuft ebenfalls einspurig nebenher. Im Key-Editor nehme ich nun aus der Hauptmelodie bis auf den ersten Takt alles heraus. Die Töne aus dem ersten Takt kopiere ich nun auf die weiteren sieben Takte so dass nur noch die Tonfolge aus dem ersten Takt mehrmals hintereinander abgespielt wird. Ab Takt 57 zerteile ich den Takt nochmals und lasse nur noch die Töne der ersten beiden Zählzeiten hintereinander ablaufen. Jetzt kommt noch zum Abschluss der Reverse-Cymbal-Effekt auf die dritte Zählzeit des 64. Taktes. Nun ist genau die Hälfte des Tracks fertig.

Zerteilte Hauptmelodie

Der Nächste Teil lässt sich relativ schnell erledigen ich kopiere den Teil mit der Hauptmelodie heraus und füge ihn ab Takt 65 ein. Bis auf ein paar Kleinigkeiten am Ende des Abschnitts bleibt also alles identisch. Lediglich den letzten Ton aus der Hauptmelodie nehme ich heraus und verlängere den vorletzten Ton etwas. Zudem füge ich auf der Shamisen-Spur (Shamisen = Zupfinstrument) einen Ton ein welcher einen passenden Übergang zum nächsten Abschnitt und der dort laufenden Intro-Melodie einleitet. Durch das Herausnehmen des letzten Tones aus der Hauptmelodie und das einfügen des Tones auf der Shamisen-Spur entsteht also ein kurzer Abstoppungseffekt welcher den Track etwas bremst und gleichermaßen die Einleitung des nächsten Abschnittes herbeiführt.

takt 65

Zu Beginn nun wieder der Cymbal-Effekt. Das Pad und die Melodie aus dem Intro finden jetzt wieder ihre Anwendung. Die ersten 8 Takte der Melodie laufen wieder auf der Shamisen-Spur die weiteren setze ich auf die Spur der Hauptmelodie so dass die Shamisen-Melodie im selben Sound wie in den vorherigen Abschnitten die Hauptmelodie läuft. Ab Takt 88 nehme ich das Pad wieder heraus. Bassdrum, Bassline, Snare und Hi-Hat bleiben bestehen wie im vorhergehenden Abschnitt. Auf Takt 88 nehme ich die Bassdrum komplett heraus welche ab Takt 89 wieder einsetzt. Im 96. Takt mache ich das Selbe, zudem nehme ich die Snare-Drum ebenfalls auf Takt 88 und 96 jeweils auf der letzten Zählzeit heraus. Den Reverse-Cymbal-Effekt setze ich diesmal auf die erste Zählzeit des 88. Und 96. Taktes. Auf der letzten Zählzeit des 96.Taktes setzt nun nochmals der kurze Vocal-Effekt ein.

takt 81

Der vorletzte Teil des Tracks steht nun an: Hier kopiere ich den Abschnitt ab Takt 49 gänzlich heraus und füge ihn auf dem 97. Takt ein.

Zum Start das Intro zum Schluss das Outro: Nun befasse ich mich mit dem letzten Teil meines Tracks. Kick-Drum, Bassline, Snare-Drum, Handclaps und Hauptmelodie lasse ich komplettt durchlaufen, jedoch mit folgenden Besonderheiten: Die Bassline lasse ich in einem Ton durchlaufen und die Melodie cutte ich nach Takt 2 so dass nur noch die Tonfolge aus den beiden ersten Takten der Hauptmelodie abläuft. Die Hi-Hat nehme ich ab der 3. Zählzeit im 120. Takt heraus. Ein letztes Mal findet nun noch der Reverse Cymbal-Effekt seine Anwendung in der dritten Zählzeit des 120. Taktes und fertig ist mein Track.

vorletzter und letzter abschnitt

Hinterlasse eine Antwort